Lageplan
Lageplan Ausschnitt
Beleuchtungskonzept
Detailausschnitt
Perspektive

1. Preis
Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Freiraumwettbewerb
Planungsumgriff: 0,9 ha
März 2026

RÄUMLICHES KONZEPT
Historische Entwicklung: Im Lauf seiner historischen Genese hat der Ortskern von Eching einige Umstrukturierungen durchlebt. Während Eching um 1956 noch einen dörflichen Charakter aufweist, verdichtet sich die Ortsmitte bis 1986 allmählich zu der heute gewohnten städtebaulichen Situation. Die Freiräume werden mit Ausnahme des Kirchenumfelds jedoch weitgehend funktional entwickelt und versiegelt. Bis 1990 sind dann auch die letzten älteren Bestandsgebäude abgerissen worden. Die gewonnene Fläche wird zum Großteil dazu genutzt, eine größere Grünanlage für das Bürgerhaus anzulegen. Mit dem Bau des ASZ-Wohngebäudes entfällt ein Großteil des oberirdischen Stellplatzangebotes und wird durch die bis heute bestehende Tiefgarage unter dem Bürgerplatz ausgeglichen. Dadurch erfährt der Freiraum erneut eine starke Versiegelung, die sich ab 2005 bis heute fortsetzt und z. B. durch die Sanierung und Erweiterung des Rathauses noch verstärkt wird. Es entsteht ein Flickenteppich aus verschiedenen alten und neueren Belagskonzepten. Um dieser Entwicklung wieder entgegenzuwirken, setzt sich dieser Entwurf für den Bürgerplatz das Ziel, den Grünanteil wieder deutlich zu erhöhen und den Ortskern wieder in eine zeitgemäße, klimaangepasste Form zu bringen.

Raumkanten und Formensprache: Durch das Einbetten neuer Grünflächen in die Bestandssituation werden sich in der stark versiegelten Fläche zwangsläufig neue Raumkanten und Zonierungen ergeben, die einer neuen, klaren Formensprache folgen sollen. Somit wird gewährleistet, dass die Ortsmitte als Großes Ganzes wahrgenommen wird und alle bestehenden Teilbereiche trotz Neugestaltung sinnvoll miteinander verbindet.
Das orthogonale System der Bestandssituation erscheint nach näherer Analyse nicht als geeignet und wird daher nicht beibehalten. Schon im Luftbild aber auch bei persönlicher Ortserkundung lässt sich feststellen, dass sich die versiegelten Flächen zwar mosaikartig aneinanderfügen, sich in der Gesamtfläche jedoch undefiniert verlieren. Der Bürgerplatz ist kein Zentrum mit eigener Adresse, sondern tritt nur als bloße Aufweitung einer über die Grenzen des Platzes hinausstrebenden Belagsfläche auf. Trotz der starken Raumkanten der Bestandsbebauung wird der Bürgerplatz als zu groß und verloren wahrgenommen (vgl. auch Bürgerbeteiligung).

Bei dem Entwurfsziel, mehr „Grün“ in die Ortsmitte zu bringen, bietet sich im ersten Moment eine organische Formensprache an, wie man sie beispielsweise aus den Parkanlagen des Englischen Gartens in München kennt. Allerdings ist zum Einen der Kontext deutlich kleinteiliger und urbaner, zum Anderen würden organisch ausformulierte Flächen zu stark im Kontrast zu den orthogonalen Raumkanten der Bestandsgebäude stehen. Der Freiraum würde zu wenig mit den raumwirksamen Erdgeschosszonen z. B. des Bürgerhauses oder des Grassl-Hauses interagieren und die Bespielbar- und Erlebbarkeit des Neuen Bürgerplatzes einschränken.

Daher entscheidet sich der Entwurf für eine Fusion aus den beiden gegensätzlichen Gestaltungssprachen (orthogonal und organisch) und spannt ein Netz aus polygonalen Formen auf, die an den Knickpunkten organisch ausgerundet sind. So werden Wege- und Sichtachsen klar betont, durch die Rundungen jedoch gleichzeitig sanft in die neue Richtung umgelenkt. Vor allem in der Platzfläche liegende Formen erhalten durch das Polygon einen unverwechselbaren Charakter, der den Wiedererkennungswert der Ortsmitte fördert.


STRATEGIE
Ausbau der Bestandsstrukturen: Durch die funktionalen Anforderungen an den Freiraum der Ortsmitte bezüglich Feuerwehr und Anlieferung sowie die Einschränkungen auf den beiden mit Tiefgaragen unterbauten Flächen nördlich des Rathauses, ist die Etablierung komplett neu erschlossener Grünflächen nahezu ausgeschlossen. Auf den bestehenden Grünflächen sitzt wiederum ein Großteil des raumprägenden, erhaltenswerten Baumbestands, der eine Verlagerung der Funktionalitäten klar verneint. Es liegt die Lösung nahe, sich stattdessen auf die vorhandenen Grünräume zu konzentrieren und diese gezielt auszubauen bzw. zu intensivieren.

Auch wenn die Vorhalteflächen für Feuerwehr, Müll und Andienung nicht verändert werden können, so macht es sich die Neugestaltung zur Aufgabe, diese Funktionalität für den Besucher nahezu unsichtbar zu machen. Selbst die im Bestand radikal freigeräumte Passage zwischen ASZ-Wohnhaus und Grassl-Haus hat an den Seiten Spielräume, die das Potential besitzen, die Aufstellflächen der Feuerwehr stärker unterzuordnen.
Dimensionierung Bürgerplatz: Im Bestand wird der Bürgerplatz in seiner heutigen Form als zu groß und zu unfreundlich wahrgenommen (vgl. Bürgerbeteiligung). Das liegt bei näherer Betrachtung wohl vor allem daran, dass zwar die vielen Nebenschauplätze und Raumnischen bespielt werden, die Platzfläche selbst jedoch ziemlich leergeräumt ist. Es gibt keine Möglichkeit, sich direkt auf dem Platz aufzuhalten, denn auf einer nackten Fläche bleibt man als Besucher nicht stehen, um zu verweilen. Es fehlen Ankerpunkte. Des Weiteren sollen die großen Gemeindefeste ausgelagert werden und machen die große freie Fläche in Zukunft obsolet.

Der Entwurf wirkt dem entschieden dagegen und vitalisiert die neu geformte Platzfläche mit drei gepflasterten Intarsien sowie einem zentral platzierten, großen Hochbeet mit einer umlaufenden Sitzkante aus Granitblöcken. Die Intarsien ordnen sich um das Hochbeet herum an und sind frei von fest eingebauten Ausstattungselementen, um eine multifunktionale Nutzung für Märkte und kleinere Feste weiterhin anzubieten. Jede Intarsie hat dabei einen anderen Themen-Schwerpunkt und wird durch die neu entworfenen, mobilen Sitz- und Bepflanzungselemente bespielt. Eine Intarsie spannt sich zwischen den bestehenden Sitzmauern am Rathaus auf, eine zweite ist dichter mit dem neuen Mobiliar gestaltet, um als zentral liegender Aufenthaltsbereich mit starker Interaktionsmöglichkeit, als Lese- oder Spielinsel zu fungieren. Die dritte Intarsie ist mit einem im Boden versenkten Nebelspiel ausgestattet und sorgt für zusätzliche Abkühlung in den heißen Sommermonaten. Das Hochbeet dient zusätzlich als zentrales Entwässerungselement und sammelt das Oberflächenwasser als Tiefpunkt über Durchlässe in der Sitzmauer. Eine eingebaute Retentionsbox sorgt für ausreichend Retentionsvolumen bei Starkregen.